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Sonntag, 1. November 2009

unknown Kings: Oktober 2009

Wer kennt sie nicht? Die Werbung, mit der gefühlte 13 Millionen Amateurrapper in Form von Privatnachrichten in hiesigen Internetforen, Profilkommentaren auf MySpace oder Massenmails im Instantmessenger täglich unschuldige Konsumenten befeuern: "Hey, ich habe mein Album (Mixtape, Streettape, Streetalbum, Streetmixtape, Tapemixstreet, Albumtapemix... diese Liste lässt sich beliebig fortführen) fertig gestellt. Es ist vielseitig, individuell und hebt sich von allen anderen ab."
Es wäre schön, wenn jedes Release qualitativ so hochwertig wäre, wie angekündigt, aber bei der Masse an Rappern, die seit Internet in Deutschland rumgeistern, ist das nahezu unmöglich.
Die Folge: Der enttäuschte Raphörer bleibt bei Altbewährtem – da kann er ja (meistens) nichts falsch machen –, während viele Releases, die bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdienen, in der Masse untergehen.

Mit dieser Rubrik habe ich mir das Ziel gesetzt, Releases an die Öffentlichkeit zu bringen, die meiner Meinung nach (!) mehr Aufmerksamkeit verdienen. Hier werden weder die Releases überhypeter Internetgrößen anzutreffen sein, noch Marketingspezialisten, die nach ihrem zweiten geschriebenen Text schon ein eigenes Label, eine Webseite mitsamt Promoteam und ein von Papi im Hinterhof gefilmtes Musikvideo besitzen.
Es geht ausschließlich um die Qualität der Musik, um das Produkt.




ElDia – Kopfreise



ElDia ist so ein Kandidat, der einfach aufgrund der Tatsache, dass er sich nicht versucht, mithilfe penetranter Werbung aufzudrängen (ein Gruß geht an dieser Stelle raus an alle Web 2.0-Vergewaltiger), schlicht und ergreifend von der riesigen Masse an Spam seiner Konkurrenten überrollt wird. Im Gegensatz zu eben denen hat ElDia 32 Freunde bei MySpace und einen ganzen Vote hier auf seiner rappers.in-Artistpage. Und dabei hat diese sechs Tracks starke EP schon einiges an Fertigkeiten des Rappers vorzuweisen. Auf Freebeats (laut eigener Aussage sind 80% von "rappers.in-Produzenten") philosophiert er über sehr persönliche Themen. Was heraussticht, ist das offensichtliche Fernweh, das ihn immer wieder songübergreifend dazu treiben will, die Welt zu sehen – was sich auch im Titel "Kopfreise" widerspiegelt. Das ist ein Ansatz, der sehr interessant ist und der EP auch den Hauch von einem roten Faden verleiht, auf den man vielleicht weiter hätte aufbauen können. Denn sonst passiert hier textlich eben Ähnliches wie bei vielen anderen Künstlern, die sich an "deepen" Inhalten versuchen: "Die Welt ist grau, es geht mir schlecht" – aber warum, weiß man als Hörer nie so wirklich genau, sodass diese ganze Melancholie einfach etwas aufgesetzt und zweckgeschrieben wirkt. Doch halb so wild, denn für die Ignoranz, mit der die Szene ElDia bisher begegnet ist, beweist er eine so überraschend gute Technik, dass ich jedem Leser hier mindestens einen Blick auf die Artistpage raten möchte. Bis auf wenige Ausnahmen überdurchschnittlich gute Texte treffen solide Rapskills. Und die Abfahrt "Stiller Schrei" wird hier noch öfter laufen!

http://www.myspace.com/eldiarap – kostenloser Download



PatriX – Truemanshow



PatriX dürfte dem ein oder anderen schon ein Begriff sein. Vor allem mit seinem letzten Solo-Album "Faible" konnte er sich eine solide Basis an Hörern und Akzeptanz der Szene erarbeiten, auf die es nun aufzubauen gilt. Ein Blick auf die Tracklist macht sofort klar: Das hier ist kein Rapper, der sich einfach wahllos von irgendwelchen Producern Beats schnappt und seine Strophen draufklatscht. Neben Jungtalent Cop Dickie zeichnet der Künstler somit selbst für den Großteil der Hintergrundklänge verantwortlich, einzelne Beats steuerten 4beating, 6ixbeats und Nowak bei. Der Titel "Truemanshow" lässt direkt einiges erahnen: Angelehnt an den namensgleichen Film, bekommt der Hörer durch das Album einen sehr intimen Einblick in PatriX' Leben. Der Künstler beschäftigt sich in den Songs mit Selbstverwirklichung, Zukunftsangst und vor allem mit dem Drang, sich nicht in den Einheitsbrei des Alltags einrühren lassen zu wollen. Und letzterer ist eben der Punkt, in dem der Albumtitel den roten Faden des Werks wie die Faust aufs Auge trifft. PatriX will raus aus diesem Rollenschema, in das er sich gedrängt fühlt, will ohne Ansprüche das Glücklichsein finden, doch fühlt sich letztendlich durch den Erfolgs- und Geschäftszwang der Gesellschaft einsam. Garniert mit viel Gesang, entfernen sich die Songs vom langweiligen Schema Part – Hook – Part und verleihen dem Album als Gesamtwerk etwas ganz sympathisch Eigenes.

http://www.myspace.com/patrix5zwo7 – kostenloser Download



Lingua Loca – Alles in Bewegung



Wie oft habe ich in den letzten zwei Jahren den Unmut vieler HipHop-Anhänger gegen den momentanen Trend "Rap mit Band" mitgekriegt. "Das ist ja überhaupt kein richtiger Rap mehr!", "Wohin ist die traditionelle Kombo MC – DJ verschwunden?" sind nur zwei Kommentare, die man immer wieder bei Konzerten von einigen Nörglern hört. Und das ist auch irgendwie nachvollziehbar. Denn oft sind die Lieder auf Grundlage von wuchtigen, im Studio produzierten Beats entstanden, die dann live mit Band nur mäßig nachgespielt werden. Lingua Loca ist aber ein ganz anderes Kaliber. Wenn man sich die vier Songs der EP "Alles in Bewegung" anhört, merkt man, dass sie schon von Grund auf bei der Entstehung ein Gemeinschaftserzeugnis darstellen. Bei dieser elf(!)-köpfigen Band scheint jedes Instrument gleichwertig zu sein. Da gibt es ein Saxophon, eine Posaune und eine Trompete als lockere Bläserformation, die "Standard"-Ausrüstung Gitarre, Bass, Keys und Drums, aber auch das HipHop-Element DJing kommt dank Philow an den Plattentellern und Percussions nicht zu kurz. Ari und Teee, die für die Raps zuständig sind, flowen gekonnt über gemütliche Melodien, die trotzdem live Abgehpotenzial haben. Man merkt der schon seit 2003 bestehenden Band auf jeden Fall die Routine, den Spaß an der Musik und das gute Zusammenspiel an. Für mich wieder mal ein Beweis dafür, was es ausmachen kann, wenn Musiker zusammen ihre Instrumente im Studio einspielen – da wirkt der Ein-Mann-Producer, der im Keller produziert ziemlich langweilig, oder? Super Sache!

http://www.lingualoca.com – zu kaufen



Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings – *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann. Ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!

Dienstag, 29. September 2009

unknown Kings: August/September 2009 – Teil 2

Von wegen, Rap in Deutschland ist uninteressant, langweilig geworden, gar tot. Wenn es ginge, würde ich gerne jedem Ignoranten, der blind solche Behauptungen in den Raum wirft, mein E-Mail-Postfach vor den Latz hauen, um zu beweisen, dass dem eben überhaupt nicht so ist. Denn seit dem Start meiner Kolumne im Februar ist mein Mail-Server regelrecht überflutet von Anfragen und Empfehlungen von Releases, die zwar manchmal noch ausbaufähig, aber oft schon richtig gut und ausgefeilt sind. Gerade in den letzten zwei, drei Monaten hab' ich mich durch Demos so vieler bomben Rapper gehört, die ich noch überhaupt nicht kannte, dass es mir teilweise wirklich leid tat, nicht jedes mit ins Magazin nehmen zu können. Und von Einseitigkeit ist da absolut keine Spur. Wer sich durch meine vorherigen Artikel gekämpft hat, weiß, dass die beschriebenen Alben meistens vom Style her komplett verschieden sind, alle auf ihre Art frisch. Also, hier dieses Mal der "unknown Kings"-Zweiteiler, frei nach dem Motto: "Wer sagt, HipHop ist tot, sucht nur an den falschen Stellen!"


Scotch – Alkopop



Der Titel dieses Albums sagt eigentlich schon einiges über die bevorzugte Thematik der darauf befindlichen Songs aus. Und nee, hier geht es nicht (ausschließlich) um die von jungen Mädchen geliebten und von Eltern verachteten Mischgetränke à la Bacardi Breezer oder Rigo, "Alkopop" ist viel eher – oha! – ein Wortspiel. So singt und rappt Scotch meist auf nach vorne gehende Synthiebeats mit simplen aber hämmernden Drums. Alles ein bisschen poppig haltend, fordert er die Zuhörer zum Tanzen, Singen, Trinken und Sich-an-ihm-Aufgeilen auf. Autotune-Vergewaltigung inklusive, versteht sich. Und auch wenn ich persönlich finde, dass dieser oft sogenannte "T-Pain-Effekt" sowas von 2007 ist, bin ich im Auto sofort dazu geneigt im Provokations-Modus die Fenster runterzukurbeln und das Ding lauter zu drehen. Scotch versteht auf jeden Fall was von seinem Handwerk. Und mit seiner Meinung zu Deutschraps Status quo hält er sich auch nicht zurück. So rappt er zum Beispiel "Dein Sound klingt nach Straße, meiner nach Studio!" oder "Was, 'HipHop'? Ihr Affen, denn Pop ist jetzt Boss".
Obwohl die Prioritäten eindeutig auf Party gesetzt sind, verfällt er nicht gleich in das beliebte Schema, textlich wie technisch primitiv zu rappen. So findet man in seinen Strophen sowohl Punchlines und Vergleiche als auch Flowvariationen. Wahrscheinlich lange nicht jedermanns Sache, aber eine gute und launemachende Abwechslung.

http://www.myspace.com/scotchtime – kostenloser Download


Schlakks – Appetithäppchen



Diese auch wirklich als "Appetithäppchen" auf das angeblich Ende des Jahres erscheinende Album "Menschlich" zu verstehende EP des Wahl-Dortmunders Schlakks umfasst sechs Songs und ist im Großen und Ganzen mit zwei Adjektiven zu beschreiben: locker und gemütlich. Sowohl Beats als auch Raps sind hier meist leger gehalten und verbreiten insgesamt eine lockere Abhäng-Stimmung. Textlich bewegt sich Schlakks irgendwo zwischen poetischen Selbsteindrücken und etwas Sozialkritik, besticht aber vor allem durch Routine – hier stimmt jede Silbe, kein Addlip ist verrutscht. Auffällig sind auch die oft vielsilbigen Reime, die sich stets gut in den Gesamtkontext einfügen. Wirkt insgesamt auf mich alles schon ein bisschen "oldschooliger". Das einzige Manko (und diesen Kritikpunkt hatte ich bis jetzt in noch keiner Review) ist die Stimme. Natürlich ist das hier mein vollkommen subjektives Empfinden, aber irgendetwas unterschwellig bassiges liegt da für mein Ohr drin, was den gesamten Rap trotz der vorher angesprochenen Souveränität immer ein kleines bisschen unsicher wirken lässt. Was aber kein allzu großes Contra gegen den kostenlosen Download dieses guten Werkes ist. Gute Musik zum gemütlichen Gammeln.

http://www.myspace.com/schlakksi – kostenloser Download


Derik – Mitterana Karma



Dem Pressetext zufolge erhofft man sich, Derik könne mit seinem Album "Mitterana Karma" wieder etwas Oldschool-Flavour vermitteln. Finde ich nicht. Das ist aber auch nicht wirklich schlimm. Sowohl Beats als auch Rap lassen mich zwar keineswegs in Erinnerungen an alte Rap-Klassiker schwelgen. Aber Derik zieht – was umso besser ist – sein eigenes Ding durch und hat so meiner Meinung nach viel mehr Respekt verdient als der tausendste (Achtung, nicht abwertend gemeint:) Backpacker, der auf Premo-Kopien den alten Zeiten hinterhertrauert. Im Intro verkündet Derik, er besitze "1000 Stimmen", die alle etwas anderes zu sagen haben. Und das trifft auch irgendwie auf seine Musik zu. So spielt er gerne mal mit seiner Stimme, verstellt sie, schlüpft in andere Rollen und verleiht so dem ganzen Album einiges an Vielfalt und Pepp. Man hat fast das Gefühl, dass Derik in jedem Song ein bisschen anders klingt. Er kann aber auch nachdenkliche Töne anstimmen. Dieser Spagat ist durch die immer mitschwingende Unbeschwertheit, die er vermittelt, aber nie eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit des Künstlers. Besonders schmackhaft sind aber nichtsdestotrotz die witzigen Stücke des Albums wie etwa der "Clubtrack" mit herrlich schräger Ohrwurmhook oder die Gasteinlage des Motzers. Mit noch etwas mehr Sorgfalt beim Einrappen und Konzentration auf die Silbenanzahl der Zeilen beim Schreiben, um kleine Nuschler und Quetscher zu vermeiden, kann das noch was richtig Gutes werden.

http://www.myspace.com/derikmusik – zu kaufen


Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings – *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann. Ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!

unknown Kings: August/September 2009 – Teil 1

Von wegen, Rap in Deutschland ist uninteressant, langweilig geworden, gar tot. Wenn es ginge, würde ich gerne jedem Ignoranten, der blind solche Behauptungen in den Raum wirft, mein E-Mail-Postfach vor den Latz hauen, um zu beweisen, dass dem eben überhaupt nicht so ist. Denn seit dem Start meiner Kolumne im Februar ist mein Mail-Server regelrecht überflutet von Anfragen und Empfehlungen von Releases, die zwar manchmal noch ausbaufähig, aber oft schon richtig gut und ausgefeilt sind. Gerade in den letzten zwei, drei Monaten hab' ich mich durch Demos so vieler bomben Rapper gehört, die ich noch überhaupt nicht kannte, dass es mir teilweise wirklich leid tat, nicht jedes mit ins Magazin nehmen zu können. Und von Einseitigkeit ist da absolut keine Spur. Wer sich durch meine vorherigen Artikel gekämpft hat, weiß, dass die beschriebenen Alben meistens vom Style her komplett verschieden sind, alle auf ihre Art frisch. Also, hier dieses Mal der "unknown Kings"-Zweiteiler, frei nach dem Motto: "Wer sagt, HipHop ist tot, sucht nur an den falschen Stellen!"


Weekend – Fans gesucht



Dieser Herr Wiegand macht absolut keinen Hehl daraus, dass er aus gutem Hause stammt, im Neubaugebiet wohnt und Sozialpädagogik studiert – was heißt keinen Hehl, er reitet gar regelrecht darauf herum. Doch das heißt noch lange nicht, dass sich die Hörer mit pseudo-philosophischen Theorien über den Sinn des Lebens oder Anti-Drogen-Appellen rumärgern müssen. Ganz im Gegenteil: Hier wird kräftig ausgeteilt. Ob gegen dich, mich oder auch Prominenz – der junge Mann hat einiges zu sagen. Da wird Massiv resozialisiert, die No Angels bekommen Gratis-Kondome und Samy Deluxe ist ja generell sowieso schwarz. Neben gekonnt ausgeführten Rundumschlägen gegen alles und jeden behandelt Weekend sonst noch sein aktuelles Leben, sei es eine Hommage an sein Neubaugebiet oder ein Song über die Vorteile eines Studentenrappers – natürlich immer mit einer gesunden Prise Ironie. Raptechnisch bewegt er sich auf einem hohen Level, auch wenn diese geschriene Art vielleicht nicht für jeden auf Albumlänge zu ertragen ist. Muss aber eigentlich. Einzig und allein an den Hooks sollte noch etwas gearbeitet werden, so richtig eingängig sind die nämlich meistens nicht. Sonst gutes Ding. Nicht zu vergessen auch die geniale musikalische Untermalung von Peet, Obo und Begroove!

http://www.fansgesucht.de – kostenloser Download


Hizzi & Cheeks – Roboterfuß



Dass sich die beiden eindeutig an Kollegen wie Hollywood Hank, Favorite oder JAW orientiert haben, merkt man schon nach den ersten paar Songs. Denn oft wird da "Menschenhass betrieben", die verweste Leiche deiner Schwester zersägt oder mächtig Drogen genommen. Thematisch geben sich die Zwei auf 19 Tracks (mit Skits) sonst nicht wirklich viel, es wird zwar ab und an mal ein Song über die Liebe zu Rap verfasst, aber größtenteils werden eigentlich – mal mehr und mal weniger asozial – Rapper geschlachtet. Und das bringen Hizzi & Cheeks auch irgendwie mitreißend rüber. Diese Null-Bock-Stimmung, die hier gepaart mit dem offensichtlichen Spaß an der Sache versprüht wird, ist für mich auf ihre Weise total erfrischend. Da wird auf exklusive Beats, auf ganze Tracks und auf eigentlich alles geschissen und einfach mal ein 16er dazwischengeknallt. Textlich und technisch haben beide von Reimketten über Doubletime bis zu (zugegebenerweise teilweise wirklich banalen) Vergleichen einiges zu bieten. Und bei Zeilen wie "Du hast 'nen Kampfhund, ich 'nen Muskelkater – was willst du tun?" muss ich ehrlich gesagt immer wieder grinsen...

http://www.myspace.com/hizzicheeks – kostenloser Download


Maxat – Zu viel für Deutschland



Der 1981 in der ehemaligen UDSSR geborene Maxat zog erst im Alter von 13 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland, wo er laut Biographie das durchmachte, mit dem viele "Gangsta Rapper" gerne mal überspitzt angeben: Seine Familie musste in Notwohnungen und Übergangslagernin einem sozialen Umfeld hausen, in dem Kriminalität, Gewalt und der Kontakt zu Drogen zum Alltag gehörten. Durch kleinkriminelle Aktivitäten verschlug es ihn ein paar Mal in Richtung Gefängnis, trotzdem schaffte er es 2001, an einer Detmolder Gesamtschule sein Abitur zu machen. Und genau das ist das gewisse Etwas, das mich an Maxat fasziniert. So zeugt seine Art zu rappen zwar von einer gewissen Härte, hier wird sich aber nicht mit belanglosem Ghetto-Gequatsche begnügt, sondern auch mal über den Tellerrand hinausgeblickt (auch wenn das nicht unbedingt bei jedem Song klappt). Ob bewusst oder nicht, Maxat verzichtet auf Quadrupeltime und dreizehnsilbige Reimketten und legt dafür umso mehr Wert auf Aussage. So könnte das Werk mal wieder ein Beweis dafür sein, dass man sich nicht komplett von der Vergangenheit oder dem Erscheinungsbild eines Künstlers beeinflussen lassen sollte, sondern auch mal gut damit täte, etwas Toleranz an den Tag zu legen. Übrig bleibt ein Album, dass zwar in Sachen Technik nicht unbedingt das Fortschrittlichste ist, dafür aber umso mehr Herzblut beweist. Und die ein oder andere Ohrwurmhook ist nicht unmaßgeblich daran beteiligt.

http://www.maxat-music.de – zu kaufen


Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings – *Künstlername*" an jan@rappers.in.
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Sonntag, 23. August 2009

unknown Kings: Juli 2009

An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Bene für den Artikel zu Tapete & Crying Wölf!


Tapete & Crying Wölf – Tapeter und der Wölf: Vol.1 Lip Gloss




Tapete? Das doch kein Name für 'nen Rapper. Und auch wenn er persönlich aggressiven Sprechgesang nicht besonders mag, beinhaltet sein Lebenslauf doch alles für eine erfolgreiche Karriere im Biz. Er ist Schulabbrecher (harte Kindheit), war wegen Schwarzfahren schon ein paar Tage im Gefängnis (Crime), hatte einige Zeit kein Dach über dem Kopf (Streetcredibility), klagte sich aus einem einengenden Majorvertrag frei (Realness) und besitzt mindestens vier MySpace-Profile (Publicitiy). Die gemeinsam mit dem Sänger Crying Wölf entstandene EP "Tapeter und der Wölf: Vol. 1 Lip Gloss" verarbeitet allerdings kaum etwas davon, sondern ist einfach geschmeidiger Elektrorap zum Abgehen und Wohlfühlen. Auf stiltechnisch schlecht einzuordnenden, innovativen Beats werden halbironisch Lieblingskioskkühlregale, Taugenichtsdasein und Brustmuskeln thematisiert. Und auch wenn flowtechnisch keine große Abwechslung geboten wird, bekommt man von dem Künstlerduo wunderbaren Rap, der ins Ohr geht und zum Abdrehen einlädt. Vor allem für Leute, die auf der Suche nach Abwechslung zum harten HipHop-Game sind, ist Tapete ein Muss. Oder in seinen Worten: "Ich hasse diese Lieder von auch so Rapper und so. Die machen da immer so Namennennen und dann irgendwie so Sauereien erzählen... nur mal so abschließend jetzt."

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Manges – Logistik



"Hey, dein CD-Player hängt!", so meine kostverächtende Freundin eines Tages im Auto, als ich das Album des Darmstädter Rappers und Produzenten zum Probehören eingelegt hatte. Und es stimmt schon irgendwie. Manges lässt sich viel Zeit beim Aufbau seiner Songs. Mit charakteristischen, immer wiederkehrenden Schlagzeug-Sequenzen, Interludes zwischen den Stücken und den insgesamt sehr minimalistisch gehaltenen Instrumentalen wirkt das Album eher wie ein einziger Song, ein großes Gesamtwerk. Dabei scheint der Rapper aus dem Hause Kehlkopf zwar etwas atemlos, allerdings ohne dabei Hektik zu verbreiten. Ich glaube 'smooth' ist ein wirklich passender Ausdruck dafür. Schon mit seinem 2003 erschienenen Werk "Regenzeit in der Wüste" weckte Manges Hoffnungen auf weitere frische und spannende Produktionen. Und das bestätigt er sechs Jahre später nun mit "Logistik". Super durchproduziert, lässige, wenn auch technisch nicht unbedingt progressive, Raps und ehrliche Texte, die mit einfacher Sprache auf den Punkt treffen. Klasse Ding – und leider das letzte aus dem Projekt Manges. Doch neue Wege wollen beschritten werden...

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Sokom – Raus mit der Sprache



So etwas habe ich selten erlebt. Wenn ich das Cover sehe, dann stelle ich mir auf jeden Fall eine andere Stimme für Sokom vor als die, die bei "Raus mit der Sprache" eben raus mit der Sprache kommt. Dunkel und rough statt jung und hoch. Und dann macht dieser Jungspund auch noch Musik, die man eigentlich einige viele Jahre früher einordnen möchte. Zu recht bezeichnete sich Sokom als Oldschooler im Herzen. Textlich orientiert sich der junge Rapper aus Freiburg an seinem Album-Titel (Überraschung!) und spricht melancholische und persönliche Themen an, mit denen man sich gut selbst identifizieren kann, lässt aber auch in Battletracks die weibliche Grippenverbreiterin raus. Die Produzenten verleihen den Songs mit meist krachenden Beats ein vielfältiges Klangbild – der rote Faden geht trotzdem nicht verloren. Einziges Manko: Auch wenn man Sokom die textliche und technische Routine anmerkt, wirkt er teilweise noch etwas unsicher; vor allem auf schnelleren Beats kommt er etwas angestrengt und gehetzt rüber. Ein durchaus solides Werk!

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Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings – *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann, ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!


(Jan König und Benedikt Dirschl)

Dienstag, 30. Juni 2009

unknown Kings: Juni 2009

Wer kennt sie nicht? Die Werbung, mit der gefühlte 13 Millionen Amateurrapper in Form von Privatnachrichten in hiesigen Internetforen, Profilkommentaren auf MySpace oder Massenmails im Instantmessenger täglich unschuldige Konsumenten befeuern: "Hey, ich habe mein Album (Mixtape, Streettape, Streetalbum, Streetmixtape, Tapemixstreet, Albumtapemix... diese Liste lässt sich beliebig fortführen) fertig gestellt. Es ist vielseitig, individuell und hebt sich von allen anderen ab".
Es wäre schön, wenn jedes Release qualitativ so hochwertig wäre, wie angekündigt, aber bei der Masse an Rappern, die seit Internet in Deutschland rumgeistern, ist das nahezu unmöglich.
Die Folge: Der enttäuschte Raphörer bleibt bei Altbewährtem - da kann er ja (meistens) nichts falsch machen – während viele Releases, die bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdienen, in der Masse untergehen.

Mit dieser Rubrik habe ich mir das Ziel gesetzt, Releases an die Öffentlichkeit zu bringen, die meiner Meinung nach (!) mehr Aufmerksamkeit verdienen. Hier werden weder die Releases überhypeter Internetgrößen anzutreffen sein, noch Marketingspezialisten, die nach ihrem zweiten geschriebenen Text schon ein eigenes Label, eine Webseite mitsamt Promoteam und ein von Papi im Hinterhof gefilmtes Musikvideo besitzen.
Es geht ausschließlich um die Qualität der Musik, um das Produkt.



Kico – Stimmungsschwankungen



Eigentlich ist dieses Release ein typisches Internet-Album: Battle-Represent-Dies-Das, einige unbekannte (und teilweise gar nicht mal so gute) Features, ab und zu mal ein nachdenklicher Text über das Leben, das einen doch immer in den Hintern tritt, und natürlich ein paar Doubletime-Einlagen. Und auch wenn hier thematisch nicht viel passiert, kann Kico mit seiner angenehmen Stimme, seiner lockeren und trotzdem energiegeladenen Art zu rappen und einfach auch ein bisschen Sympathie punkten. Geht es um Battle, bewegt er sich meistens irgendwo zwischen den gespreizten Beinen deiner Freundin (die macht es eh mit jedem, Bitch, aber nur mit ihm, weil er so gut aussieht), belanglosem Genitalvergleich und gut gemeinten, aber oft relativ abgedroschenen Vergleichen ("das kann nicht angeh'n wie kaputte Fernseher"). Wenn sich seine "Stimmungsschwankungen" dann aber mehr in Richtung ruhig und melancholisch bewegen, geht da schon etwas mehr. Die musikalische Untermalung passt und auch die Refrains sind meistens eingängig. Mit ein bisschen mehr Liebe zum Detail und vor allem Themenvielfalt kann das beim nächsten Mal was ganz Großes werden.

http://www.myspace.com/kicorap – kostenloser Download


Phil62 – Dein Blaues Wunder



So richtig kann ich Phil62, gesignt bei "667", nicht wirklich einschätzen. Dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt und gern mal einen drauf macht, geht schon aus dem Titel dieses guten Stückes hervor. Doch wo soll ich zum Beispiel die Reimketten einordnen, die meistens nur aus sinnlos aneinander gereihten Wörtern besteht? Auch nur sein Senf zum Status quo der deutschen Raplandschaft, oder einfach nur Faulheit, sich hinzusetzen und passende Reime zu finden? Genug genörgelt. Phil imponiert durch einen ausgefallenen Flow (wer die Art seiner Betonungen gehört hat, weiß was ich meine), eine zwar etwas hohe aber kräftige Stimme und interessante Texte. Denn obwohl die Themen auch bei ihm nicht immer die ausgefallensten sind – wo sind sie das schon heutzutage? – kann er doch mit dem ein oder anderen Song überraschen. So rappt er zum Beispiel auf "Schizophren" à la "Touch it" über Engelchen-Teufelchen-Erfahrungen im Club. Auch wenn ich als Besserwisser sagen könnte, dass ich letzte Woche gelernt habe, dass es sich hierbei überhaupt nicht um Schizophrenie handelt – aber wer nennt seinen Track wohl gerne "Multiple Persönlichkeitsstörung"? Klänge ja uncool. Fazit: Gutes Album mit innovativem Style. Weiter so!

http://www.myspace.com/phil62ducktapes – zu kaufen


Graf Fidi – Grafische Darstellung



Es gibt verschiedenste Verhaltensmuster, die Menschen mit Behinderungen aufweisen. Depression, man kann nicht damit umgehen, dass man auf andere Menschen angewiesen ist. Doch oft kann man auch mit der Zeit Akzeptanz erkennen. Doch dass man jemanden wie Graf Fidi, der im Rollstuhl sitzt, antrifft, der so viel Lebensfreude ausstrahlt und aus der Musik so viel Kraft zu schöpfen scheint, ist selten. Irgendwie muss ich den Grafen einfach sympathisch finden. Das fängt schon bei seinem herrlichen Logo an (ein "G" kreuzt ein Mikrofon und stellt so einen Rollstuhlfahrer dar), geht weiter über die groovigen minimalistischen Beats, die sehr musikalisch wirken, und endet bei seinem frischen Rapstyle, der irgendwie überhaupt nicht zu den Genossen aus Berlin, seiner Heimatstadt, passt. Graf wirkt einfach frech, lässig – Scheiße, ich sprech' es einfach aus: Wie eine Mischung aus Dynamite Deluxe und Blumentopf. Steinigt mich für diesen Vergleich. Aber trotzdem passt er irgendwie. So wird das Album so manchem Mitt-Zwanziger vielleicht sogar die ein oder andere nostalgische Träne in die Augen treiben. Doch nicht nur die etwas an deutschen Old School-Rap erinnernde Art macht Graf Fidi aus. Er wirkt unbeschwert und hat kreative Ideen: So erleichtert er den Besuchern seiner Homepage das ewige langweilige Lesen seiner Informationen, sondern vertont seinen "Lyrischen Werdegang" direkt. Interessantes Gute-Laune-Album, welches für Technik-Battle-Mehrsilbenreime-Fanatiker vielleicht zu leichte Kost ist.

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Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings – *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann, ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!

Donnerstag, 21. Mai 2009

unknown Kings: Mai 2009

Wer kennt sie nicht? Die Werbung, mit der gefühlte 13 Millionen Amateurrapper in Form von Privatnachrichten in hiesigen Internetforen, Profilkommentaren auf MySpace oder Massenmails im Instantmessenger täglich unschuldige Konsumenten befeuern: "Hey, ich habe mein Album (Mixtape, Streettape, Streetalbum, Streetmixtape, Tapemixstreet, Albumtapemix... diese Liste lässt sich beliebig fortführen) fertig gestellt. Es ist vielseitig, individuell und hebt sich von allen anderen ab".
Es wäre schön, wenn jedes Release qualitativ so hochwertig wäre, wie angekündigt, aber bei der Masse an Rappern, die seit Internet in Deutschland rumgeistern, ist das nahezu unmöglich.
Die Folge: Der enttäuschte Raphörer bleibt bei Altbewährtem - da kann er ja (meistens) nichts falsch machen – während viele Releases, die bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdienen, in der Masse untergehen.

Mit dieser Rubrik habe ich mir das Ziel gesetzt, Releases an die Öffentlichkeit zu bringen, die meiner Meinung nach (!) mehr Aufmerksamkeit verdienen. Hier werden weder die Releases überhypeter Internetgrößen anzutreffen sein, noch Marketingspezialisten, die nach ihrem zweiten geschriebenen Text schon ein eigenes Label, eine Webseite mitsamt Promoteam und ein von Papi im Hinterhof gefilmtes Musikvideo besitzen.
Es geht ausschließlich um die Qualität der Musik, um das Produkt.



Olson Rough - Rude Boy



Eigentlich weiß man schon nach ein, zwei Tracks, um was es sich bei den Texten von Olson Rough dreht: Er war einmal ein böser Bube, der böse Dinge gemacht hat und einen Haufen starker, harter Freunde als schlechten Einfluss hatte. Und auch, wenn solche Thematik und Streetcredibility-Fußpilz bei mir mittlerweile ähnliche Wirkung hervorrufen wie heißes Bier (starke Müdigkeit, lautes Schnarchen und dann aufwachen und sich darüber aufregen, dass es einem nicht wie versprochen besser, sondern jetzt noch schlechter geht), bringt es der "Rude Boy" irgendwie sympathisch, aber vor allem authentisch rüber. Mal auf sanfte Beats mit Vocalsamples, mal etwas treibender, erzählt er hauptsächlich Geschichten über seine Jugend, wie er abrutschte, sitzenblieb, Kontakt zu Drogen bekam, aber sich jetzt doch wieder gefangen hat – und ist so das musikalisch-intelligente Pendant zum dumpfen "Isch stesch disch ab"-Rap. Vor allem reimtechnisch bewegt er sich auf sehr hohem Level, ich wundere mich beim Hören immer wieder darüber, wie er doch so viele mehrsilbige Reime, die dennoch perfekt zur Story passen, in einen Song packen kann. Gutes Album. Und nicht zu vergessen natürlich das geniale "Fremd geworden".

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JuseJu - YO! Hip Hop hat mein Leben zerstört



JuseJu lebt für die Bühne. Er hat in den letzten Jahren viele Liveerfahrungen gesammelt und unter anderem mehrere Freestylebattles gewonnen, so dass sich diverse vor Selbstwertgefühl nur so strotzende Internethustler schon das ein oder andere Scheibchen (no Beef) von ihm abschneiden können.
Meistens läuft das ja so ab: Man hört einen Künstler live, findet ihn total geil und entertainend, holt sich die Platte und ist zu Hause übertrieben enttäuscht, weil die recordeten Tracks vor allem style- und powertechnisch einfach nicht an die gute Performance rankommen. Bei JuseJu nicht. Er ist vom Rapstil her zwar eindeutig in die Münchener Ecke einzuordnen ("Öööööh, Blumentopf!" hört er aber anscheinend überhaupt nicht gerne), doch macht sein eigenes Ding, ist technisch versiert und vor allem textlich sehr locker und witzig, greift Themen, die von anderen Rappern eher ernst gemeint sind, auf und verpackt sie ironisch. Auch Tracks mit Message bringt er gut und glaubhaft rüber (Hallo, ich bin eine abgedroschene Phrase). Nur was mit dem Track "Mädchen vom Gymi" so richtig gemeint ist, verstehe ich nicht. Vielleicht, weil ich keins bin.

http://www.myspace.com/juseju - zu kaufen


Harry - Zeitgeist



Normalerweise tu ich mir ja Alben nicht an, die im Intro schon mit einem herzzerreißenden Seufzer beginnen. Ist ja irgendwie wie bei Filmen ohne Happy End, man ist danach noch schlechter drauf als vorher. Normalerweise überzeugt mich ein Album aber auch nicht schon im Intro ("Die Zeit ist jetzt") so sehr, dass ich immer wieder zurückskippe, um die erste Strophe nochmal und nochmal zu hören, so dass ich nur sehr langsam bin im Durchhören des Gesamtwerks. Harry macht nachdenkliche Songs, ist nach eigener Aussage immer real geblieben und beschäftigt sich nicht mit Genitaliavergleichsthematik. Und das braucht er auch gar nicht, denn er ist flowlich sehr sicher, textlich zum Nachdenken anregend (sowohl durch sehr persönliche Texte, als auch erzählte Geschichten) und hat irgendetwas Unbeschreibliches in der Stimme, das ihn einzigartig macht und mich irgendwie turnt (Ist es hier angebracht? Ja: No homo). Auch die musikalische Untermalung von Joshimixu, Nekst86, Exact und Dinjo passt da wie das Knie in die Leistengegend.

http://www.myspace.com/harry2006music - kostenloser Download


Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings - *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann, ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!

Montag, 4. Mai 2009

unknown Kings: April 2009

Wer kennt sie nicht? Die Werbung, mit der gefühlte 13 Millionen Amateurrapper in Form von Privatnachrichten in hiesigen Internetforen, Profilkommentaren auf MySpace oder Massenmails im Instantmessenger täglich unschuldige Konsumenten befeuern: „Hey, ich habe mein Album (Mixtape, Streettape, Streetalbum, Streetmixtape, Tapemixstreet, Albumtapemix…diese Liste lässt sich beliebig fortführen) fertig gestellt. Es ist vielseitig, individuell und hebt sich von allen anderen ab“.
Es wäre schön, wenn jedes Release qualitativ so hochwertig wäre wie angekündigt, aber bei der Masse an Rappern, die seit Internet in Deutschland rumgeistern ist das nahezu unmöglich.
Die Folge: Der enttäuschte Raphörer bleibt bei Altbewährtem - da kann er ja (meistens) nichts falsch machen - während viele Releases, die bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdienen, in der Masse untergehen.

Mit dieser neuen Rubrik habe ich mir das Ziel gesetzt, Releases an die Öffentlichkeit zu bringen, die meiner Meinung nach (!) mehr Aufmerksamkeit verdienen. Hier werden weder die Releases überhypeter Internetgrößen anzutreffen sein, noch Marketingspezialisten, die nach ihrem zweiten geschriebenen Text schon ein eigenes Label, eine Webseite mitsamt Promoteam und ein von Papi im Hinterhof gefilmtes Musikvideo besitzen.
Es geht ausschließlich um die Qualität der Musik, um das Produkt.



2Bough - Private



Der französisch stämmige 2Bough geistert jetzt schon seit einigen Jahren durch die Rapszene, vor allem im RBA-Umfeld, aber auch hier auf rappers.in (wo er schon des Öfteren in der Top5 anzutreffen war) ist er sowohl als Rapper, aber auch als Producer schon länger ein Begriff. Was er mit seinem Download-Album in Überlänge (27 Songs inklusive Bonus-Beats!) vermitteln will, sagt er schon im Intro („Der Anfang vom Ende“): Rap mit Herz, abseits von Klischees („Ich will was Neues bring’, was Ehrlichkeit und Liebe zeigt“, „trag keine Baggys, die Zeit ist schon lang vorbei“). Und so geht es auch größtenteils auf den Songs (die übrigens bis auf wenige Ausnahmen von ihm selbst produziert sind) zu: Ob für eine verflossene Liebe oder seinen verstorbenen Bruder, 2Bough verarbeitet mit seinen Texten persönliche Erfahrungen, verzichtet bewusst auf Ghettoattitüden und greift wie zum Beispiel auf „Pop“ mit Autotune-Übertreibungshook und distanzierendem Text provokant auf „Szene-No-Go“s zurück. Rap- und produktionstechnisch bewegt er sich dabei auf festem Grund, auch wenn man auf diesem Release keine variablen Stimmeinsätze, hier-wächst-kein-Gras-mehr-Punchlines oder zig Flowwechsel erwarten sollte. Auch die von ihm produzierten Beats sind in sich stimmig, passen zur Vortragsweise, erfinden das Rad aber bei weitem nicht neu, der Hörer wird nicht überrascht. Solides Werk, was vor allem in schlechteren Zeiten sicherlich mal wieder seinen Weg in meinen CD-Player finden wird.

http://www.myspace.com/2bough - kostenloser Download


Meni und Deve - Was Größeres



Seit zehn Jahren sind sie nun schon dabei. Die Stuttgarter Meni und Deve, die seit 1999 aktiv Rapmusik betreiben - erst jeder für sich selbst, dann ab 2003 zusammen - sind nun Mitte Zwanzig und machen nach wie vor ihr Ding. Ihr Ding im Sinne von konventionellem Rap. Rap, der vielleicht für Jungspunde unter den Hörern sofort in die Schublade „Blumentopf“ gesteckt wird (was natürlich keinesfalls negativ gesehen werden muss!). Aufsehen konnten sie kürzlich mit ihrer „Stuttgart Hymne“ erregen, als sie im Januar Wochensieger beim „MTV Rookie Contest“ wurden. Doch nun planen sie „Was Größeres“: Wie schon vor dem ersten Anspielen des Albums zu erwarten, geht es hier insgesamt traditioneller zu: Beats auf Samplebasis, oft mit Trompetensounds garniert, das Drumset steht im Vordergrund; locker gerappte Parts, unterhaltsames Storytelling; zusammen gerappte Hooks, wenn Gesang, dann nur im Ansatz und mit der Melodie des Instrumentals. Man merkt den beiden den Spaß an der Musik an, kann sich bei den erzählten Geschichten (z.B. „In den Urlaub mit den Jungs“) den ein oder anderen Grinser nicht verkneifen, wenn man sich versucht vorzustellen, wie sich eine Gruppe feierwütiger Mittzwanziger mit einer Überzahl Rentner in die Haare bekommt (Anspieltipp!). Vielleicht nicht für Hörer der neusten, trendigsten Charthits auf der Höhe der Zeit geeignet, aber definitiv auch nicht nur für alte Hasen, die sich gerne mal wieder ihren Rucksack aus dem Schrank holen und zu dieser Musik in nostalgischen Erinnerungen schwelgen.


http://www.myspace.com/meniunddeve - zu kaufen


257ers - Hokus Pokus



Ja ja, die 257ers, sind ja im Moment ziemlich akktuell. Gepusht von Artgenossen wie Favorite, Jason oder Hollywood Hank reiht sich das Dreigespann irgendwo zwischen KIZ, den Orsons und den üblichen Pottverdächtigen ein. Was dabei heraus kommt, kann man sich jetzt irgendwie vorstellen, aber auch irgendwie nicht: Viel Schwachsinn, Spaß an der Sache, Lobpreisung von Tabakkwaren und diversen Halluzinogenen - wer tiefgehende Lyrik und Herzschmerz-Trauer-Rap sucht, ist hier fehl am Platz. Und so ist das Endprodukt zwar noch lange kein musikalischer Meilenstein, aber dennoch erfrischend. Denn die Jungs wissen wahrscheinlich nichts mit Akkorden oder Harmonien anzufangen, doch liefern mit diesem „Hokus Pokus“ ein vor allem live viel versprechendes Album ab. „Ein Album zum Mitsingen“ passt da ziemlich gut.

http://www.257ers.de - kostenloser Download



Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "unknown Kings - *Künstlername*" an jan@rappers.in.
Bitte beachtet aber, dass ich nicht auf jede Anfrage persönlich antworten kann, ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!