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Montag, 23. November 2009

Mädness – Zuckerbrot & Peitsche



01. Zuckerbrot & Peitsche
02. Querfeldein
03. Kein Kompromiss
feat. Olli Banjo
04. Cool
05. Schöne Menschen
feat. Morlockk Dilemma
06. Wer ist der Beste?
07. Damals ist vorbei
08. Solche Rapper
feat. Kool Savas
09. Guck dich an
10. Bin ich schon drin?
11. Sucht
12. Unterschätzt
feat. Patrick mit Absicht
13. Warteschleife
14. Schurz
15. Meine Party
feat. Baggefudda & El Ray
16. Hip Hop
17. Gude (Liveversion)


Mädness, der ab und zu mal gerne mit zwei Jungs an der Tankstelle rumhängt und außerdem ein echtes Unikat ist, beruft sich jetzt auf seine Authorität. Schluss mit lustig, Wischiwaschi-Lotterleben, "Gude" und so, jetzt werden "Zuckerbrot & Peitsche" ausgepackt. Wird Deutschrap nun endlich erzogen? Eine gewisse freie Enzyklopädie spuckt zu diesem Thema nämlich hauptsächlich Dinge aus wie: "Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode besteht nun darin, gezielt sowohl positive Gefühle (z.B. durch Lob) bei gewünschtem Verhalten als auch negative Gefühle (Tadel) bei unerwünschtem Verhalten auszulösen." Das passt irgendwie, denn nach über zehn Jahren Umtriebigkeit auf Freestylebattles, Jams und (vermehrt in den letzten Jahren) natürlich auch im Studio, hat Mädness eigentlich so einiges zu sagen. Vor allem den Respekt von szeneinternen Kollegen und eingefleischten HipHop-Heads hat er schon länger. Nachdem er aber lange Zeit trotzdem noch weitgehend unter der Oberfläche blieb, erreichte er mit dem Release von "Unikat" 2007 erstmals auch weitreichenderes Aufsehen, auf das sich nun mit seinem zweiten Soloalbum aufbauen lässt. Laut eigener Aussage wesentlich flüssiger und um einiges härter als auf seinem Debüt.

Härter stimmt. Wenn auch schon der Vorgänger sehr in Richtung elektronische Musik ging, ließ vor allem die Onlinetrack-Zusammenstellung "Als hätt' ich nix getan" durchscheinen, wie es hier künftig weiterzugehen hat. Nämlich nochmal um einiges experimenteller. Auf Brettern von
Kollege Schnürschuh, Dirty Dasmo,Stützpunkt.643 und Rocko wird geglitcht, geswitcht und gekitscht, was das Zeug hält. Das tut der Qualität keinen Abbruch, denn stumpfe Raps auf Electrobeats kann man von Mädness, der ab und an gerne mal einen Rucksack sportet, wahrscheinlich als Letztes erwarten. Denn der vereint eigentlich ziemlich viel von dem, was man so braucht, um ein erfolgreicher und angesehener Rap-Künstler zu sein. Und das alles auf seine eigene Art. So wird der lockere hessische Akzent mit Wortwitz, aber auch zum Teil mit sinnfreien und gerade deswegen genialen Themen kombiniert, ohne dass die nötige Prise Ernsthaftigkeit auf der Strecke bleibt. Und auch an seinen Rapskills hat Mädness gefeilt. Wo er schon auf seinem Debütalbum mit ausgefallenen Flows und Switches überzeugen konnte, schindet er nun noch mehr Eindruck mit progressiveren, schnelleren Parts, ohne textlich in schwachsinnige Phrasendrescherei abzudriften. Der selbsternannte "Gude" beweist auf seinem Album aufs Neue, dass er – und ich lehne mich hier bewusst weit aus dem Fenster – einer der ganz wenigen in Deutschland ist, die es zustande bringen, einen Flowwechsel nach dem anderen hinzulegen, ohne dabei bewusst oder unbewusst Kool Savas zu imitieren.

"
Verstehste? Das sind ganz andere Kreise/
Hier scheißt man noch Blumen und sagt Lounge zu 'ner Kneipe/
Und genau dieser Unterschied macht es entscheidend/
Und filtert den Dreck von den Schönen und Reichen/
"

Auf "
Schöne Menschen" führt Mädness die Erzählart, die er auch schon früher benutzt hat, fort und rappt ironisch über Snobs, Wichtigtuer und Schnösel. Unterstützt wird er dabei von Morlockk Dilemma. Auch sonst hat der Rapper so einige Spezialgäste im Rucksack: Sowohl Olli Banjo, Kool Savas, Patrick mit Absicht als auch Baggefudda und El Ray steuern jeder auf seine Art ihren Teil zum Gesamtwerk bei.

Wenn man dieses Album nun nochmal mit seinem Vorgänger "Unikat" vergleicht, fallen neben den schnelleren Rapparts vor allem auch thematisch ein paar Veränderungen auf. Wo
Mädness auf seinem Debütalbum ab und an noch etwas tiefer in seine Gedankengänge und Privatsphäre blicken lässt (auf einer Abrechnung mit seiner Ex zum Beispiel), finden sich auf "Zuckerbrot & Peitsche" fast nur noch Representing-Songs über HipHop und Realkeeping plus natürlich eine ordentliche Portion "Dummgebabbel". Aber auch völlig behämmerte Songs ("Konterschoppe") sind diesmal nicht vertreten. Obwohl:

"
Frauen sind auch viel schlimmer als Männer, weiß sie/
Weil die beim Geschäft oft gerne vorbeiziel'n/
Damenhaft erträgt sie die Last/
Sie kneift beide Backen zusammen, damit's klappt/
"

Nichts für zarte Gemüter ist "
Schurz". Mädness erzählt die Geschichte eines Dates mit... unkonventionellem Ende aus zwei Sichten: seiner und ihrer. Auch "Guck dich an" ist ein Song, der auf jeden Fall Beachtung finden sollte. Wetten, dass es sich hierbei um einen offenen Brief an einen TV-Moderator handelt?
Letztendlich könnte ich noch über einige Songs mehr schreiben, da sie sich entweder durch witzige Thematik oder versierte Technik auszeichnen. An einer Stelle hapert es aber fast immer: Wo sind die eingängigen Hooks? Auch schon beim letzten Album war mein Hauptkritikpunkt, dass sich auf den Songs so gut wie nie ein Refrain finden ließ, der gut ins Ohr ging. Ich will jetzt nicht mit Autotune-Gekrächze anfangen, aber ich vermisse hier die richtig gut gerappten Hooklines.

Fazit:
Auf Wikipedia stand zum Thema "
Zuckerbrot & Peitsche" zwar auch noch: "Wie bei der Pferdedressur stellt die Peitsche also zumeist eine Drohung dar, die nur selten tatsächlich eingesetzt wird." Meine Angst, dass es sich hier nur um eine lasche Fortsetzung eines unerwartet und zu Recht gefeierten Erstlingswerks handelt, war aber zum Glück unbegründet. Der Nachfolger besticht durch noch ausgefeiltere, nahezu perfekte Raptechnik und den gewohnten Wortwitz. Trotzdem kann das Werk durch die fehlenden herausstechenden Songs (vor allem wegen der Hooks) teilweise etwas einseitig wirken. Schafft es für mich aufgrund dieser Kritikpunkte nicht ganz zum "Unikat".

Sonntag, 1. November 2009

Review: Hassan Annouri – International



01. Intro
02. Ich hoffe du weisst mir geht es gut
03. Teufelskreis
04. Wahrheit
feat. Cassandra Steen
05. Revanche feat. Afrob & She-Raw
06. Gutes Mädchen
07. Bring mich bitte heim
08. Tanz für mich
09. Hoffnung
10. Danke Interlude
11. So cool wie ich
12. Alles vergessen
feat. Bouchnak & Valezka
13. Kopf oder Zahl feat. Eko Fresh
14. Traurige Lieder feat. Dean Dawson & Blaze
15. Immer wenn ich...
16. Lizenz
feat. Curse, Dean Dawson, Blaze, Jeyz & R.A.F
17. Wir lieben unseren Glauben
18. Bock auf'n Beat
feat. Sido & Harris

Es scheint wohl im Moment die Zeit der lange angekündigten, aber immer wieder aufgeschobenen Releases zu sein. Denn nach vielen Jahren im Geschäft veröffentlicht nun auch Hassan Annouri, seines Zeichens Teil des Produzenten-Duos "Bock auf'n Beat", endlich sein Debütalbum "International". Wem weder Hassan, noch "Bock auf'n Beat" ein Begriff sein sollte: Der Frankfurter Produzent, Rapper und Sänger hat in den letzten Jahren nicht nur für Nico Suave, Olli Banjo oder Joy Denalane musikalische Ergüsse auf die Platten gebracht, sondern hatte auch für Größen wie Fatman Scoop, Dr. Dre und Xzibit per Remixerei die Finger im Spiel. Doch der Wunsch, selbst für jedes Lied vom ersten Klaviertastendruck über das Schreiben der Lyrics bis hin zum Einrappen verantwortlich zu sein, ist – so er selbst über die Entstehung des Albums – mit der Zeit immer stärker geworden. Und nun, nach längerer Zeit des Werkelns, veröffentlichte er das Album "International" mit mächtig Verstärkung im Gepäck.

International also. Wer jetzt auf ein Album mit Sprachenvielfalt von Indonesisch bis Swahili hofft, wird leider enttäuscht werden. Denn internationale Künstler sind hier fast keine vertreten. Vielmehr sieht Hassan Annouri sich selbst als "international", was zum Teil an seiner marokkanischen Herkunft, seiner Verbundenheit zu den Problemvierteln Frankfurts, aber auch an seiner musikalischen Umtriebigkeit in den letzten Jahren liegen dürfte. Und das merkt man der Platte auch sofort an. Produktionstechnisch bekommt der Hörer hier einiges geboten. Hassan reduziert seine Künste nicht auf billige Synthieklänge, sondern macht Musik mit Hand und Fuß. Da werden hier und da mal Klavier und Bass selbst eingespielt, man hört am Ende eines Liedes ein Solo und von groovigen Drumsequenzen muss man bei Percussion-Wunder Annouri sowieso ausgehen. Insgesamt bewegt sich das Album, was Musikalität angeht, weit über dem HipHop-Durchschnitt, der zur Zeit so durch die Boxen schleicht. Kombiniert wird dieser musikalische Grundriss mit der passenden Stimme Hassans, die – auch wenn es widersprüchlich klingt – rough, aber trotzdem irgendwie smooth wirkt. Thematisch erzählt er Geschichten aus seiner oder der Vergangenheit Anderer, nutzt aber auch die Gelegenheit, das ein oder andere Mädchen zum Tanzen aufzufordern. Textlich ist das weder peinlich, noch mitreißend, weder gezwungen noch poetisch.

"Ich bin der Drogendealer, ich hab' braune Haut und schwarze Haare/
Ich bin schlecht für deine Tochter, weil ich gern 'nen Bart trage/
Dabei schreib' ich nur Verse und setz' dazu 'n paar Noten/
Ich bring' die Liebe wieder zurück und schick' den Hass zu euch Idioten/
"

Auf dem Song "Wahrheit" mit Cassandra Steen spricht der Marokkaner das aus, was ihm schon lange auf der Zunge liegt: die Wahrheit. So geht es um seine eigenen Gefühle und Ängste, in der zweiten Strophe rechnet er mit den von ihm erlebten Vorurteilen gegen ihn und andere Ausländer ab. Wie man merkt, geht es hier oft persönlich zu, was zum Teil interessant, aber auch leider immer wieder belanglos, da schon viel zu oft gehört, ist. Mittlerweile scheint die Tatsache, dass (nicht nur) ausländisch-stämmige Deutsche in den Brennpunkten von Großstädten eine schwere Jugend voller Probleme und Vorurteile haben, auch bei Klaas aus Nordfriesland angekommen zu sein. Deswegen passiert hier thematisch nicht viel Neues. Ähnliche Einflüsse hat auch der Song "Gutes Mädchen", in dem Hassan – dieses Mal in Form von Storytelling – über ein Mädchen erzählt, das aufgrund eines schlechten Umfelds und dem Mangel an Selbstachtung abstürzt:

"Sie würde gerne ein neues Leben starten/
Sie würde gerne Kinder, ein Haus und 'n guten Mann haben/
Sie würde gerne zurück zu ihren Eltern geh'n/
Doch weiß genau, dass ihre Eltern sie nicht gerne seh'n/
"

Die in der Einleitung dieser Review schon erwähnte Umtriebigkeit Hassans in der Musikszene ist nicht nur der Vielfalt der Hintergrundklänge anzumerken. So ließen sich viele der Künstler, die von ihm zuvor schon produziert wurden, nicht zweimal bitten und steuerten Strophen und Refrains bei, was dem Album natürlich eine gewisse Vielfältigkeit verleiht. Aber das musikalische Gesamtbild, das durch den Einklang zwischen der Musik und der Stimme Hassans vermittelt wird, wird so durch viele unterschiedliche Rap-Parts anderer Künstler gestört. Man könnte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass sie das Werk stellenweise zu einem simplen Kollaboalbum abwerten – ein Titel, den es auf keinen Fall verdient hat. Die gesungenen Refrains passen sich dem musikalischen Kontext zwar gut an, wirken aber auf mich zum Teil etwas gezwungen, als wären da zehn Stimmen in verschiedenen Tonlagen eingesungen worden, um extrem viel Spannung und Dirtyness einzubringen. Doch weg vom Gesang: Vor allem Raptechnik-Fanatiker werden einen Bogen um die Künste Hassans machen. Denn den Luxus, in den Genuss von Doppelreimen, Flowabfahrten oder gar rhetorischer Gewandtheit zu kommen, kann ich hier – Hand aufs Herz – niemandem versprechen.

Fazit:
Hassan Annouri liefert mit "International" ein einwandfrei produziertes Debütalbum ab, welches vor allem durch Vielfalt und Musikalität beeindrucken kann. In Sachen Raptechnik und Thematik ist er zwar nicht unbedingt auf dem progressivsten Kurs, letztendlich schadet es dem Gesamtbild aber nicht wirklich. Ob die hohe Zahl der Featuregäste störend, wichtig, oder gar notwendig ist, bleibt dem Hörer selbst überlassen. Gutes Debütalbum, das hohe Erwartungen an einen Nachfolger mit sich bringt.

Dienstag, 1. September 2009

Review: Eko Fresh – JKWWADS




01. Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen
02. Wer zuletzt lacht!
03. Bitte Spitte 2010
feat. Farid Bang
04. Die Auferstehung
05. Dream


"Eko rappt jetzt wieder wie früher!"
Dieser Aufschrei, der seit der Ankündigung des "Jetzt kommen wir auf die Sachen"-Nachfolgers "Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen" durch die Szene geht, kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Ich erinnere mich: Wir schreiben das Jahr 2005, als sich Eko Fresh nach "L.O.V.E."-, Türkisch-Rap- und vor allem Hate-Eskapaden durch Rap-Hörer und andere Rapper mit seiner "Abrechnung" zurückmeldet, um zu zeigen, dass er nach wie vor der König von Deutschland ist. Und genau, ihr ratet richtig, in eben diesem Track kündigt er mit eben dieser Zeile seine Rückbesinnung zum alten Rapstil an.
Und nach einem weiteren überraschenden Part auf "Flerräter" war dieses Nennen-wir-es-Comeback für mich gar nicht mal so abwegig. Dann wieder Imagewechsel. Die abgewaschene Cordon Sport von Bushido geerbt, schließt er sich nun dem ersguterjunge-Camp an. Die darauffolgende musikalische Entwicklung sei damit hinreichend dargestellt. Nun, 2009, ist Eko weg von Bushido und laut eigener Aussage wieder bei seinen Wurzeln angelangt – (fast) ganz ohne Disses. Er scheint gereift zu sein.

Als ich selbst anfing, mich mit deutschem Rap zu befassen, war "Jetzt kommen wir auf die Sachen" etwa ein Jahr draußen. Songs wie "Drück auf Play", die darauffolgenden Dinger mit Kool Savas und auch banale Disstracks wie die "Renexekution" haben mich in dieser Zeit entscheidend geprägt. Dieses freche Überhebliche in der Stimme des damals noch 16-jährigen unbeschwerten Ekrem Bora, dem man einfach das Feuer, die Liebe zu Rap, noch anmerkte. Kann man wieder daran anknüpfen? Kann man nach neun Jahren mehr oder weniger geglückten Imagewechseln einfach den Schalter umlegen und wieder zum energiegeladenen Jungen im Azad-T-Shirt werden?

"Ihr wart alle auf Aggro, ihr habt Optik geschoben/ Aber leider sind jetzt diese beiden doch nicht mehr oben/" – das sind die Zeilen, die Eko auf der "Abrechnung" direkt nach der oben schon genannten verkündet. Auf dem Opener und Titeltrack "Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen" rappt er nun "OR ist jetzt weg, Aggro ist jetzt weg". Dass es jetzt wirklich zur Schließung der beiden an Deutschraps Entwicklung jahrelang maßgeblich beteiligten Indielabels kam, scheint er aber nicht als Genugtuung zu sehen. Insgesamt wirkt er reifer und deutet auch an, dass einer Versöhnung mit Kool Savas von seiner Seite aus nichts im Wege steht. Insgesamt fängt die leider nur fünf Songs starke EP sehr gut an und endet auch genauso. Lediglich in der Mitte mit "Bitte Spitte 2010" ist ihm plus Anhängsel Farid Bang ein Fehltritt gelungen, der weder mit textlicher Innovation, noch sonst irgendetwas glänzt. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass man einen guten ersten Teil niemals mit einem schlechten Nachfolger strafen sollte.

Die Instrumentale sind so, wie man auch Ekos Texte – ja, eigentlich das gesamte Konzept der EP – verstehen kann: Als Ankündigung von etwas Großem – dem kommenden Album. So rappt er mal auf apokalyptischen Orgeln oder theatralischen Streichern, während sich seine Texte größtenteils um das Gleiche drehen: Er ist zurück, rappt wieder wie früher, die Szene ist schlechter als er. Das wunderschöne "Dream" darf man dabei aber nicht vergessen:

"Wo ist Torch, wenn man ihn braucht?/
Meine Mucke namens HipHop hat sich wie in Bordellen verkauft/
"

Natürlich, es bleibt fragwürdig, ob solche Textstellen zu dem Eko passen, den wir über die Jahre kennenlernten. Nunja, eben der, der jung war und das Geld brauchte und sein Image fast so oft wechselte wie Socken – oder Labelbosse. Abgesehen davon erzählt der Song die Geschichte des jungen Platten-diggenden Teenagers so gefühlvoll, dass man selbst auch wieder anfängt, in eigenen Erinnerungen an die Anfänge im HipHop zu schwelgen.

Fazit:
Eko Fresh rappt nicht unbedingt wieder wie früher. Seine Stimme hat sich verändert und auch er selbst hat nach all den Jahren einen gewissen Reifeprozess hinter sich, den man ihm auch anmerkt. Das bedeutet beileibe nichts Schlechtes. Die EP weiß mit gutem Opener und Abschluss zu überzeugen, doch die Thematik, mit der der Künstler sich hier befasst, wird nicht ausreichen, um ein ganzes Album zu füllen. Darauf kann man aber aufbauen. Gutes Nennen-wir-es-Comeback!

Sonntag, 7. Juni 2009

Endlich mal reingehört: FR - Vorsicht Stufe

Da ich jetzt durch den Zivildienst ca. ne Stunde Fahrt habe jeden Tag, komme ich auch endlich mal dazu, in CDs reinzuhören, die ich mir schon seit langem zulegen wollte.
Eine davon war das "neue" Album vom auch nicht mehr so jungen Jungtalent FR: "Vorsicht: Stufe".

Sowohl "Mundwerk" als auch "Mittelweg" stehen bei mir (legal!) im Schrank und wurden relativ oft gehört. Was ich an diesem Kerl schon immer mochte, war sein beachtliches Talent, Texte zu schreiben, aber auch flowtechnisch hat er sich seit Mittelweg extrem steil nach oben (für mich fast an die Spitze) entwickelt. Deswegen war ich richtig richtig gespannt auf dieses Release, da mir die Vorarbeit der DEAG auch sehr zusagte.

Da sind wir nun. Erster Track. Erster Gedanke. "FR recyclet ernsthaft Zeilen aus seinen alten RBA-Battles?". Halb so wild. Zweiter Gedanke. "Flowtechnisch wieder spitze". Und auch wenn mir die Art, wie FR manchmal mit der Stimme spielt (diese nach unten Verstellerei) nicht so wirklich gefällt, überzeugt das Album trotzdem mit technischer Versiertheit und - vor allem - Ideenreichtum. Da sei zum Beispiel "Rap ist mein Fetisch", in dem der Braunschweiger Jungspund (der anscheinend während der Pubertät zu oft an Rap gedacht hat und seine Sexualität nun etwas verspätet ausleben will) gekonnt des HipHoppers zweier Lieblingsthemen Rap&Sex verknüft oder auch "Nie gesehen" mit einer zweiten Strophe, die die Reimkettenvorgänger der letzten beiden Alben in die Schranken weist.
Trotzdem wollen die Tracks größtenteils bei mir als Hörer nicht so hängenbleiben, wie es zu jener Zeit bei den Vorgängern war. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Es gibt sehr viele geniale Tracks. "Kopf gegen Herz" ist auch nach dem 50. Mal Hören noch Gänsehaut. "Phantom der Poser" als zwar nicht die allererste, doch trotzdem super umgesetzte Ode an den Whack MC. Und die super Idee "Alles was ich habe", in der FR einen Brief in die Vergangenheit schreibt und so einen Track aus früheren Zeiten beantwortet. Oder auch technische Feuerwerke wie der Alliterationssong "Das F und das R".

Aber geht man nach zwei zu ihren Zeiten wirklich erstklassigen Alben vielleicht mit zu hohen Erwartungen an so ein Werk? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich in ein paar Monaten, wenn man mich nach den drei Releases fragen , mit den anderen beiden positivere Gedanken verbinden würde. Vielleicht liegt es daran, dass FR schon fast zu sicher ist, dass einfach die innere Unruhe, ja, irgendwie der Flavour fehlt? Starkes Album, aber ich höre es teilweise mit gemischten Gefühlen.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Review: Pal One - Seelentreffen



01. Wie Es Ist
02. Ein Mann, Ein Rhyme
03. Herz Auf Der Zunge
04. Ohne Dich
05. Denk Nach
06. Kein Liebe Im Spiel
07. Lass Die Zeit Los
08. Treu Geblieben
09. Zu Hause
feat. Nicole Hadfield
10. Zufrieden
11. Ein Mann, Ein Rhyme
(Remix)

Pal One ist irgendwie andersrum. Bevor mir jetzt aber energische Forenkids und realkeepende Streethustler mit aufgebrachten "no homo"-Schreien entgegenkommen, nehme ich am besten sofort die Luft aus dieser missverständlichen Behauptung, da es viel eher um die persönliche Entwicklung des "Mannemer" Urgesteins geht.
Denn der Rapper entpuppt sich nicht als Wolf im Schafspelz, nein, aus dem "Palwolf" entwickelte sich ein Rapper, der sich nicht mehr nur mit belanglosen Dingen rund um Rap und seine Attitüden befassen, sondern
der in einem "Seelentreffen" seine inneren Gefühle, ja, auch wenn es abgedroschen klingt, seine Seele darlegen will.

Doch davon merkt man nicht viel. Man denkt, seit "Fokus: Rap" hat sich mit dem aktuellen Titel wohl auch die Wertlegung im Bezug auf die Thematik der Texte geändert. Das stimmt schon irgendwie: Pal One rappt jetzt nicht nur noch über Rap, sondern über Rapper, die nicht über ihre Gefühle rappen. Und das wirklich auf nahezu jedem Song des Albums. Da werden mal die bösen Rapper angeprangert, die Rap nur wegen des Geldes und nicht aufgrund der Liebe zur Musik machen und... hm, das wars eigentlich schon. Da jeder Raphörer wahrscheinlich 153.000 (natürlich legal beschaffte) Songs über das selbe Thema auf seiner Festplatte hat, ist das irgendwie ermüdend und nichts Neues.

"Du gibst mir Geborgenheit und das Licht ist drin/
Und wer rappt heutzutage über Dinge, die wichtig sind?/
"

Diese Textpassage ist wahrscheinlich das erschreckendste Beispiel für die Dumpfheit der Texte Pal Ones. Denn was bitte hat ein müdes, abgedroschenes Statement über Rap in diesem Liebeslied "Ohne Dich" zu suchen, in dem PalOne zuvor wirklich ehrlich über eine schwierige, aber zugleich auch für ihn sehr wichtige Beziehung zu einer Frau rappt?
Das ist das Traurige am gesamten Konzept des Albums, das sicherlich nicht so beabsichtigt war, sondern sich erst Track für Track in diese Richtung entwickelt hat. Denn Pal One rappt nicht über Gefühle, sondern er rappt darüber, über Gefühle zu rappen. Und das auf Albumlänge. Hinzu kommt, dass er fast schon unfähig ist, sinvolle und interessante Texte zu schreiben. Ein Reimwunder war Pal noch nie. Aber wenn die eh schon einsilbigen Reime trotzdem noch so unangebracht und erzwungen wirken, dann läuft da eindeutig was schief.

Das soll jetzt kein kompletter Verriss sein, denn das Album ist sauber produziert, Pal bewegt sich zwar steif (ein Freund von mir nennt ihn liebevoll den Metzger), aber dennoch sicher im Takt, kennt sein Handwerk, auch wenn er sich raptechnisch in den letzten Jahren nicht wirklich weiterentwickelt hat – aber wie viele Fans schreien denn nach dem alten Samy oder dem alten Savas? Auf "Zufrieden" betritt er andere Wege. Weg vom Nörgeln, von der Unzufriedenheit mit dem Status quo der Rapszene erzählt der Song von Pals Zufriedenheit mit seinem Lebensweg und kann so als Abschluss einer Entwicklung angesehen werden, die er im Laufe des Albums durchgemacht hat:

"Wenn ich wählen könnte, würd ich's nochmal so machen/
Den Job schmeißen, mich wieder bewerben, die ganzen Sachen/
Aber eines werdet ihr mir nie wieder nehmen/
Die Liebe zum Menschen, Liebe zum Leben, Liebe zum Geben/
"

Dieser Song ist ein Beweis dafür, dass Pal One es besser kann. Auf dieses Instrumental passt sich seine Stimme gut an und man hat nicht das Gefühl, dass der Text so hingeklatscht ist, wie es auf den anderen Tracks wirkt. Hier wirken die Emotionen, die er mit seiner Stimme transportiert, echt. Das ist auch ein Problem auf den anderen Songs. Durch die immer ähnliche Thematik jedes Songs und die immer gleiche Vortragsweise springt der Funke nicht über und das gesamte Album wirkt monoton.

Fazit: "Treffen sich zwei, einer kommt nicht" – dieser total dumme Stammtischwitz, den ein alter Schulkamerad von mir nach ein paar Bierchen immer wieder zu erzählen pflegt, trifft es irgendwie. Denn dieses "Seelentreffen" ist kein wirkliches Treffen. Der Hörer wird nicht erreicht, er wird von den Texten nicht berührt. Insgesamt wirkt das Gesamtwerk undurchdacht. Man möchte hoffen, dass es am Konzept und nicht an einem mittlerweile ermüdeten Rapper liegt. Zwar technisch sauber, aber einfach nicht innovativ.